Mittwoch, 16. April 2014

Dann meinen sie damit "jetzt"

Ich berühre das Gras nur um zu prüfen, ob ich was spür'
Und ob ich noch lebe, noch fühle wie früher
Ob das noch da ist
Die Sonne färbt sich langsam rot
Komisch, gerade noch dacht' ich doch, sie stand ganz oben
Wie die Tage vergeh'n
                                                                  - Die Orsons (Jetzt)
So, Freunde der Volksmusik, ich melde mich mal wieder aus dem fernen Rumänien. So sehr viel gibt es zwar nicht zu berichten, aber Donnerstagnacht kommt Besuch aus der Heimat und da wird es erstmal nicht viel Zeit geben, um sich via Blog zu melden. Eigentlich hatte ich mir am Anfang vorgenommen mich regelmäßiger zu melden, aber wie alle Freiwilligen habe ich erkannt, dass man dann irgendwie vor Ort gar nicht so wirklich dazu kommt. 
Nachdem meine Eltern am Samstag gefahren waren, ging es für mich mit meiner Mentorin erstmal Kaffee trinken und danach mit den anderen gemeinsam auf ein Bier. Jetzt kenne ich die kleinste Bar in Cluj, in der es irgendwelche Shots gibt, die ich einfach mal als Gurkenwasser mit Alkohol bezeichne. Jap, richtig gehört. Auf dem Glas liegt ein Spieß mit einer sauren Gurke und dann trinkt man den Alkohol, der tatsächlich wie Gurkenwasser riecht und schmeckt, nur im Abgang etwas alkoholische Schärfe aufweist. 
Letzte Woche war ziemlich entspannt. Irgendwie waren nur wenige Kinder da und dann wurde die gefühlte Hälfte der Arbeitszeit auch noch damit gefüllt, mit den Kindern die Lieder für das Singen in der Metro einzuüben. Und dann war Freitag der große Tag und ich durfte von 16.00 bis 20.00 Uhr im Laden stehen und singen. Am Samstag ging es dann für mich recht früh raus, weil ich beschlossen hatte, Dorle und Kathrin nach Sibiu zu folgen, nachdem die beiden bereits Freitagabend dorthin aufgebrochen waren. In Sibiu stieg eine dicke Party, denn es gab einen 20. Geburtstag zu feiern. Und so waren auch gleich recht viele deutsche Freiwillige vor Ort versammelt.

Diese Woche ist auch auf Arbeit ziemlich entspannt, denn es sind Ferien. Gestern habe ich den Tag mit Gipsfiguren bemalen und Perlenfädeln verbracht. Beim Perlenfädeln bin ich übrigens ausgelacht worden. Die Mütter und auch einige der Kinder stellen ja so perlengefädeltes Zeug her. Zu Weihnachten gab es Christbaumkugeln und nun steht Ostern vor der Tür, da werden Perlen um die Ostereier gefädelt. Ich kann hier gar nicht rüberbringen, wie schön das aussieht und was für eine wahnsinns Arbeit das eigentlich ist. Jedenfalls bin ich in solchen feinmotorischen Dingen ja schon eh nicht so übermäßig begabt, aber dann mit der Nadel da durch die Perlen durch und dann immer die Reihenfolge und Methode beachten ist echt schwierig. Wirklich! Und da wurde ich dann eben ausgelacht, dass Andi das als Junge besser kann und ob ich denn überhaupt was könne, außer Fußball spielen :D (Aber wir wissen ja alle, dass ich in jeglichen anderen Disziplinen überdurchschnittlich begabt bin!)

Was gibt es sonst noch zu berichten? Ich habe jetzt, keine vier Monate vor dem Ende meines Freiwilligendienstes, endlich angefangen Ungarischunterricht zu nehmen. Nachdem der Rumänischsprachkurs ja eher weniger gefruchtet hat, werde ich ja vielleicht hier mehr Motivation an den Tag legen. Aber ganz ehrlich, Ungarisch ist ja mal so eine scheißschwierige Sprache!!! Aber es klingt einfach zu süß :)

Mittwoch, 2. April 2014

Eine Woche Mama und Papa

Nach dem Abenteuer Budapest sollte auch gleich die darauffolgende Woche ereignisreich werden, schließlich sind Mama und Papa mit dem Auto gekommen und so konnten wir, so unabhängig wie ich hier noch nie gereist bin, durch die Gegend düsen. Am Montag wurde erstmal ein Ruhetag eingelegt, schließlich lag eine doch nicht allzu kurze Reise hinter uns dreien. So ging es für mich auf Arbeit und meine Erzeuger durften sich die Stadt anschauen. Doch schon der Dienstag wurde für eine Reise genutzt. Auch wenn auf der Karte die umliegenden Städte scheinbar in der Nähe liegen, muss man in der Praxis dann doch eher weitere Strecken zurücklegen. So ging es recht früh auf nach Bistritz, wo es eine wunderschöne evangelische Kirche aus dem 15. Jahrhundert zu besichtigen gibt. Leider war diese aber geschlossen und so ging es nach einem kleinen Spaziergang in der 75.000 Einwohner Stadt weiter nach Reghin und von dort dann auf zurück nach Cluj.
Am Mittwoch haben Mama und Papa dann meine Arbeitsstelle besucht und am Donnerstag ging es wieder auf Reisen. Diesmal sollte es südöstlich von Cluj gehen. Der erste Zwischenstopp erfolgte in Târgu Mureș, der "ungarischen Hauptstadt" von Rumänien. Hier gibt es eine Orthodoxe Kathedrale, eine Reformierte Kirche sowie den Kulturpalast zu besichtigen. Von dort ging es für uns dann weiter nach Sighișoara. Dort steht nämlich eine der schönsten Kirchenburgen Siebenbürgens, außerdem ist die Stadt auf einem Hügel erbaut und bietet mit ihren schönen Häusern und den weiten Blicken in die Unterstadt jede Menge zu bestaunen. Kein Wunder, dass das historische Zentrum 1999 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt worden ist. Von Schäßburg ging es dann über Biertan (mit einer weiteren Kirchenburg, die aber gerade renoviert wurde) nach Mediaș. Hier mussten wir leider ein weiteres Mal eine geschlossene Kirche vorfinden, doch war das Kirchenkastell auch ohne Zutritt zur Margaretenkirche sehenswert. 
Am Freitag sollte die Fahrt nicht ganz so weit gehen, schließlich haben Mama und Papa ja am Samstag noch lange genug im Auto zu sitzen. Und so ging es auf nach Turda durch die Cheile Turzii wandern. Für mich war es schön die Klamm, in einer anderen Jahreszeit und ohne die ganzen Menschenmassen vor Ort, wiederzusehen. Und natürlich wurde auch wieder der längere Weg oben, entlang der Steilwände, gewählt, um zum Auto zurückzukehren.
Am Samstag hieß es dann Abschied nehmen. Diesmal allerdings ohne jegliche Tränen und Trara, bin ich doch bald wieder in der Heimat. War schon komisch, Mama und Papa schon die ersten Wintersachen mitzugeben. Es liegen noch vier Monate vor mir und dennoch fühlt es sich an, als würde ich geradewegs auf die Zielgerade und das Ende meines DJiAs zusteuern.

Die "Kornmarktzeile" in Bistritz
Die evangelische Kirche in Bistritz

Mama vor irgendeiner Kirchenburg, die unbedingt angesehen werden musste. Wie das Dörflein auch immer heißen mag....

Târgu Mureș
Sighișoara
Stundturm in Sighișoara
Mediaș
Jetzt ist erstmal wieder Alltag eingekehrt hier in Rumänien. So habe ich gestern gelernt, dass man sich keine handvoll Pommes auf einmal in den Mund stecken sollte und mit der anderen Hand Majo hinterher kippen. Und auf Arbeit sind die Läuse los! Zudem singen wir wieder ganz fleißig, denn in zwei Wochen geht es wieder in die Metro. Ich habe zwar keine Ahnung, was genau da gesungen wird, aber sicherlich werde ich im Mai jedem der es hören möchte (oder auch nicht) ein Ständchen auf ungarisch singen können. In diesem Sinne, macht es gut!!!

Montag, 24. März 2014

One day, baby, we'll be old

Letzte Woche hieß es für mich auf nach BUDAPEST im Rahmen einer Study Session von Phiren Amenca! Unter dem Thema 'Beyond Roma and Diversity: Phiren Amenca Study Session on Gender, Multiple Discrimination and Intersectionality' haben wir eine Woche lang Erfahrungen ausgetauscht, diskutiert und viel gelernt. Und natürlich hatten wir auch Zeit die ungarische Hauptstadt zu erkunden oder die Nächte in diversen Clubs, Bars oder einfach auf ein Bier im Hotel zu verbringen.
Los ging es für Robin und mich am Sonntag hier in Cluj, auf mit dem Zug direkt nach Budapest. Da  alle eine lange und ermüdente Reise hinter sich hatten, ging es dann schon recht früh ins Bett. Aber schon am nächsten Tag haben wir Zeit gefunden ein wenig durch die Stadt zu laufen, die wirklich wunderschön ist und mir so verdammt westeuropäisch vorkam, im Gegensatz zu meinem derzeitigen Aufenthaltsort. Der Montag und Dienstag war voll mit verschiedenen Seminareinheiten rund um die Themen Diskriminierung von Roma, Homosexualität und Gender. Da kam dann der freie Nachmittag am Mittwoch ganz gelegen, um sich in der großen Gruppe auf durch die Stadt zu machen. Zuerst ging es am Parlament vorbei hinauf zur Fischerbastei, dann über die Kettenbrücke in Richtung Innenstadt und zum Heldenplatz. Danach ging es dann zu siebzehnt Shisha rauchen. Immer mit dabei war eine Gitarre und so haben wir bei jeder Gelegenheit als riesige Gruppe gespielt, gesungen und getanzt, was uns jede Menge verstörte Blicke eingebracht hat (besonders in der Straßenbahn). Am Abend ging es dann noch feiern, wo ich dann nach bereits drei getätigten Fahrten in den öffentlichen Verkehrsmitteln endlich mal ein Ticket gelöst habe. Sowas macht man nämlich als echter Budapester einfach nicht, haben wir gelernt. Donnerstag und Freitag waren wieder voll mit veschiedensten Referaten und Präsentationen und so ging es eigentlich total übermüdet am letzten gemeinsamen Abend in Budapest noch auf ein kleines Konzert. Es gab Freiwein für alle und wieder wurde jede Menge getanzt. 
Das Parlamentsgebäude
Ein schwimmender Bus.
Blick von der Fischerbastei hinüber auf die Pester-Seite.

Kettenbrücke.
Heldenplatz.
Blick von unserem Hotel aus auf das Parlament.
Nocheinmal Parlament.
Oben bei der Fischerbastei.
Der Frühling ist auch in Budapest schon da!
Blick von Pest hinüber auf die Buda-Seite
 
Und so wurde der am Samstag fällige Abschied für alle nach dieser ereignisreichen Woche unheimlich schwer. Doch für mich war das Abenteuer Budapest noch einen Tag länger, denn gegen Mittag sind Mama und Papa angekommen. Und so ging es nach einem gemeinsamen Mittagessen für Mama und mich shoppen, während Papa die Fischerbastei ansehen wollte. Wie groß Budapest ist, haben Mami und ich dann auch recht schnell entdeckt, als wir einfach das Hotel nicht wiederfinden wollten auf dem Rückweg. Ich, total fertig von dem wenigen Schlaf der letzten Woche, und meine Eltern, von der langen Fahrt geschafft, haben uns dann am Abend recht zeitig zurück ins Hotel begeben und geschlafen. Am Sonntagmorgen ging es dann noch ein bisschen durch einen Park in Budapest spazieren, bevor es dann nochmal die doch recht weite Strecke von Budapest nach Cluj zu bewerkstelligen galt. Leider hatte ich immer noch nicht ausreichend Schlaf nachgeholt und so habe ich Papa schon recht zeitig wieder an das Steuer von seinem Auto gelassen und lieber auf dem Beifahrersitz geschlafen, schließlich musste ich heute ja wieder auf Arbeit.
Morgen habe ich frei und so werde ich mit Mama und Papa einen schönen Ausflug machen, schließlich haben die beiden heute schon alle Sehenswürdigkeiten vor Ort erkundschaftet. Es wird also die nächsten Tage viel zu erleben und neuen Stoff für den Blog geben.
Unter diesem Motto also:
One day, baby, we'll be old
Oh baby, we'll be old
And think of all the stories that we could have told

Samstag, 15. März 2014

Vielleicht lieber morgen

"Sam, glaubst du, die Leute würden noch mit einem reden, wenn sie wüssten, wie verrückt man wirklich ist?"
"Klar. Ständig."
                                                                                       - Charlie und Sam in 'Vielleicht lieber morgen'

Papa meckert schon wieder, also folgt heute ein neuer Blogeintrag. Die letzte Woche hat uns Freiwillige vor eine besondere Aufgabe gestellt, weil unsere Kollegen auf Fortbildung waren. Nur Iza, die als Pädagogin in der Kindergartengruppe arbeitet, war noch da und so sind wir vier Freiwillige dann fast ganz alleine mit den Kindern gewesen. Da es aufgrund unserer mangelhaften Ungarisch- und Rumänischkenntnisse nahezu unmöglich ist mit den Kindern Hausaufgaben zu machen, sind sie dann nur nach der Schule zum Essen gekommen und wir konnten sie dann wieder Heim schicken. Offenbar wussten die Kinder ganz genau wie schwer sie zu händeln sind und haben sich die letzten fünf Tage extra für uns gut benommen und so hat es sogar richtig viel Spaß gemacht. Ansonsten wurden wir letzte Woche bei Inge zum Essen eingeladen. Es gab leckere selbstgemachte Spätzle und traumhaft süßen Kuchen. 
Am letzten Wochenende war Besuch aus Sibiu da. Und so haben wir Cluj-Freiwilligen gemeinsam mit Lydia die Sonne genossen, indem wir zuerst durch die Second-Hand Läden geschlendert sind und danach auf einen der vielen Hügel spaziert sind, um die ersten Pigmente zu erhaschen.

Ab morgen geht es dann für mich gemeinsam mit Robin nach Budapest auf Seminar, wo mich dann hoffentlich den Samstag darauf Mama und Papa einsammeln werden und es dann gemeinsam zurück nach Cluj gehen wird.

Sonntag, 2. März 2014

We, we don't have to worry 'bout nothing

'Cause we got the fire, and we're burning one hell of a something
They, they gonna see us from outer space, outer space
Light it up, like we're the stars of the human race, human race

                                                                                    - Ellie Goulding
So, ich melde mich dann auch mal endlich wieder. Eigentlich wollte ich mich pünktlich zur Halbzeit melden, aber das habe ich ja nun verpasst und so habe ich jetzt schon über die Hälfte meines Freiwilligendienstes hinter mich gebracht. Das hieß dann auch, dass die letzten Wochen zwei Berichte fällig waren. Einer auf Englisch für die Diakonie und ein längerer auf Deutsch für meine Entsendeorganisation. Daher ist der Blog im letzten Monat etwas vernachlässigt worden. Aber so gibt es mittlerweile auch einiges für euch zu berichten, obwohl nichts wirklich spektakuläres passiert ist.
Zum Beispiel habe ich euch bislang vorenthalten, dass in unserem Freiwilligenteam hier vor Ort ein paar Veränderungen in der Besatzung vonstattengegangen sind. Ende Januar hat uns nämlich Fiona verlassen und ist nach Deutschland zurückgekehrt. Kurze Zeit später hat uns dann auch Áron, unser ungarischer Freiwilliger, aus Gründen verlassen, die keinem so richtig nachvollziehbar sind. Also ist unsere Truppe dann erstmal ganz schön zusammengeschrumpft. Aber seit Freitag gibt es nun wieder Verstärkung, denn Dorle ist aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Bukarest zu uns nach Cluj gewechselt. Und wisst ihr, was das alles für Vorteile mit sich bringt? Jetzt kann ich endlich mal mit jemanden Deutschsprechen, ohne komisch dafür angeguckt zu werden, jemand kann es nachvollziehen, wenn ich begeistert von Leipzig schwärme und ich habe in Mera endlich wieder weibliche Unterstützung (die größeren Jungs sind nämlich so langsam ganz schön aufdringlich geworden).
Ansonsten ist jetzt erstmal Schluss mit Winterdepressionen, schokoladenüberladenen Schnulzenabenden vorm Laptop und matschverschmierten Hosen und Schuhen. Die Sonne verwöhnt uns nämlich die letzten Tage ganz schön und jeder Gang an die frische Luft wird mit Vogelgezwitscher und grünen Knospen belohnt. Der Frühling kommt und bringt neuen Lebensschwung mit sich. Ich kann es kaum erwarten, dass es noch ein paar Grad wärmer wird und ich endlich die Sommerklamotten aus dem Schrank holen kann. Manchmal verbringe ich meine freien Minuten auf Zalando und habe mitlerweile schon eine echt lange Wunschliste an neuer Kleidung, aber die liefern ja einfach nicht hier her. So langsam brauche ich also mal eine richtig schöne Shoppingtour, auch wenn es das Geld eigentlich nicht hergibt. Aber wenn ich am Ende des Monats mir dann kein Essen mehr leisten kann, hat das ja auch was Gutes, denn bei der nächsten Shoppingtour gibt es die Klamotten dann einfach eine Nummer kleiner ;)
Gestern habe ich nach Ewigkeiten mal wieder Energy Sachsen gehört. Eigentlich wollte ich das ja nicht mehr machen, weil ich mich, zurück in Deutschland, überraschen lassen wollte, was so im Radio läuft. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass zu der Sonne, die in mein Zimmer scheint, und der offenen Balkontür an einem Samstagnachmittag einfach Energy Sachsen gehört. Hätte ich es mal gelassen, denn jetzt weiß ich, was ich so verpasst habe (oder auch nicht). Die aktuelle Nummer 1 (Mr. Probz - Waves) in den deutschen Singlecharts habe ich noch nie gehört und was macht Helene Fischer denn bitte auf Platz 3??? Auch ansonsten gehen die aktuellen Charts ziemlich an mir vorbei, aber zu verpassen scheine ich dabei ja dennoch nichts. Was mich hingegen schon mehr wurmt ist die Tatsache, dass Jennifer Rostock vor Kurzem im Haus Auensee war, Sido gestern und Casper auch bald kommt und ich bei keinem der Konzerte dabei sein konnte. Und das Thirty Seconds To Mars - Konzert in Berlin hätte mich auch ganz schön gereizt, aber nun ja. Im Juli kommen die Jungs nach Bukarest und ich bin echt am Überlegen, ob sich 10 Stunden Fahrt bis in die rumänische Hauptstadt für ein Konzert lohnen werden. Da sollte ich mich wohl mal bald entscheiden...
Ansonsten habe ich ja auch meine kleine eigene Playlist. Besonders häufig läuft neben den üblichen Verdächtigen (Die Toten Hosen, Jennifer Rostock, Rihanna, Kraftklub und Casper) zur Zeit auch Klingandes Jubel, Burn von Ellie Goulding und Florrie mit Left Too Late hoch und runter. Also alles nicht so wirklich besonders, aber passend zu meinem vom Frühling durchflutetem Gemüt.

Was gibt es denn sonst noch so zu berichten? In letzter Zeit war ziemlich viel Besuch da. So ging es dann vor zwei Wochen in die fabrica de pensule. Dort gibt es ein paar Ausstellungen von jungen Künstlern. Allerdings waren wir am frühen Nachmittag dort und um diese Zeit scheinen rumänische Künstler nicht mit Besuchern zu rechnen und so sind wir überall auf verschlossene Türen gestoßen, bis wir dann doch tatsächlich auf einen gestoßen sind, der uns seine Werke präsentiert hat. Zudem gab es eine Bar, die auch offen war. Allerdings war da außer uns sonst niemand und so haben wir uns einfach ein wenig umgesehen und sind wieder gegangen. - Vielleicht haben wir ja auch was falsch verstanden und es war kostenlose Selbstbedienung angesagt?!
Ansonsten war ich letztes Wochenende auf dem Oser, wodurch ich wieder einen Punkt auf meiner To Do - Liste streichen kann. Ihr seht also, es geht voran, wenn auch langsam.
Die Freitag- und Samstagabende wurden entweder in einer der unzähligen Bars hier in Cluj verbracht oder wir haben alle zusammen gekocht. Meist bei den Jungs, weil die die größte Wohnung haben. Gestern aber fand die Abendgestaltung bei mir statt, wodurch ich noch einiges aufzuräumen habe. 
Wovon ich ebenfalls noch nicht berichtet habe ist die Tatsache, dass ich es endlich mal auf die Reihe bekommen habe den deutschen Gottesdienst einer ungarischen evangelischen Gemeinde hier zu besuchen, der aller zwei Wochen stattfindet. Mittlerweile war ich auch schon zweimal dort und auch wenn immer nur ein paar Leute dort sind, ist es trotzdem ganz schön und die Pfarrerin ist auch noch ganz jung und unheimlich nett, das ist echt cool. 
Letzte Woche Freitag haben wir in Mera Fasching gefeiert. Da ich ja nicht meinen (auch wenn man das annehmen könnte) und Mamas gesamten Kleiderschrank mit hier habe, fiel es mir etwas schwer ein Kostüm zusammenzustellen. Also habe ich mir einfach ein Kleidchen angezogen und zwei Zöpfe geflochten, die dann noch von Ildiko, einer Kollegin, hochgebunden wurden, wodurch ich dann als Pippi Langstrumpf durchgekommen bin. Die beiden Jungs hatten es da etwas einfacher und sind einfach als der jeweils andere gegangen. Glücklicherweise gibt es keine Fotos von mir, aber von ein paar anderen Unternehmungen kann ich euch was präsentieren.
Mal schauen, wann ich mich wieder melde. Aber bis dahin wünsche ich euch wunderschöne erste Frühlingstage :)
Die Bar in der fabrica de pensule.
Eine Hauswand in der Stadt,
der ich zufällig über den Weg gelaufen bin.
Gestern Abend bei mir. Spielen gerade rumänisches Monopoli.

Kunst.

Samstag, 8. Februar 2014

Salina Turda und endlich wieder Fotos

Ich habe mich die letzte Zeit ja doch schon etwas rar gemacht. Nachdem es hier eine Woche richtig schön Schnee gab und ich mit den Kindern sogar Schlitten fahren war, ist mittlerweile alles wieder weggeschmolzen. Der eiskalte rumänische Winter ist mir scheinbar erspart geblieben, zumindest sieht es bislang nicht nach den uns versprochenen -15 bis -20 Grad Celsius aus, was mir doch sehr entgegen kommt.
Die letzte Woche hatten die Kinder Ferien und so war auf Arbeit eher Langeweile als stressiger Alltag angesagt. In den Ferien bekommen die Kinder nämlich jeweils eine Stunde Individualbetreuung, doch wenn die Kinder keine Lust haben zu kommen, dann gibt es eben nichts zu tun. Und das gab den Jungs und mir Zeit, damit wir mal was für das Wochenende planen können. Die letzten beiden Wochenenden war ja immer Besuch da und so gab es die üblichen Stadtspaziergänge und Bar-Hopping Abende. Es ist echt fantastisch, in welcher Geschwindigkeit man als Freiwilliger andere Freiwillige kennenlernen kann und mit denen dann wunderschöne Stunden verbringt, ohne ihnen vorher jemals begegnet zu sein. Ich habe an mir selbst echt bemerkt, dass ich durch die letzten Monate hier deutlich offener fremden Menschen gegenüber geworden bin. Und es ist ja auch unheimlich spannend mit Leuten zu reden, die aus den verschiedensten Teilen der Welt herkommen.
Aber heute ging es mal für mich raus aus Cluj und ins 35 Kilometer entfernte Turda. Turda hat nämlich neben der Cheile Turzii, durch die ich im Herbst ja schon mal gewandert bin, auch ein Salzbergwerk zu bieten. Doch ist die Salina Turda so ziemlich überhaupt nicht das, was man erwartet, wenn man eine Salzmine anschauen möchte. Denn anders als erwartet befindet sich in den Stollen kein übliches Bergwerksmuseum. Bei 10 bis 12 Grad kann man da unten nämlich Riesenrad fahren, Tischtennis spielen oder rudern. An sich eine schöne Attraktion, nur über den Salzabbau erfährt man vor Ort nicht viel und so lässt sich nur an den Namen der verschiedenen Stolln (z.B. Franz Josef) erahnen, dass bereits unter Habsburger Herrschaft in der Salina Salz abgebaut worden ist.
Ein ewiglanger Gang - die Galeria Franz Josef
Der Blick von oben hinunter auf den Bergwerksee
Das Riesenrad unter Tage
Max rudert und Robin und ich genießen
Der Blick in die riesige Halle (Mine Rudolph)
Leider sind aufgrund der Lichtverhältnisse, meiner bescheidenen Fotografenkünste und den jetzt nicht gerade überwältigenden Fähigkeiten meiner Kamera nicht wirklich viele Fotos was geworden und so fehlen besonders die Fotos, die die überdimensionale Höhe und Weite der Mine Rudolph festhalten. Aber die Fotos beweisen wohl, dass viel Salzbergwerk nicht unbedingt viel Salzbergwerk bedeuten muss... Dennoch war es ein schöner Samstagsausflug und Angst aus Turda nicht mehr wegzukommen hatte ich auch nicht mehr wie beim letzten Mal.

Dienstag, 28. Januar 2014

And "God loves all his children" is somehow forgotten

Bislang bestehen alle meine Blogeinträge aus meinen eigenen Erfahrungen in Rumänien. Ich habe über meine Arbeit, Freizeitbeschäftigungen und Reisen berichtet. Schließlich möchte ich alle, die Interesse daran haben zu erfahren, was ich hier so treibe, auch an meinem Leben hier teilhaben lassen. Aber ich denke, dass dieser Blog auch eine Plattform für mich bietet, euch an Dingen teilhaben zu lassen, die vielleicht nicht unbedingt direkt mein Leben hier betreffen.
Ich habe heute einmal vor über ein Thema zu berichten, zu dem ich mich selbst erstmal ein wenig im Internet schlau machen musste. In der deutschen Toleranz und (Nicht-)Akzeptanz kenne ich mich ja spätestens seit meiner Komplexen Lernleistung (eine umfangreiche Hausarbeit in der zwölften Klasse) doch ziemlich gut aus. Und wenn mir schon in Deutschland gelegentlich das Kotzen kommt schlecht wird, weil ich von unqualifizierten, intoleranten und unserer Zeit nicht angemessenen Meinungen hören und lesen muss, wie muss das dann in einem Land sein, dass unserer westlichen Kultur -  sagen wir - hinterher hängt? Ein  Land, in dem Werte und Anschauungen noch andere sind, in dem die katholische und orthodoxe Kirche eine weitaus größere Rolle im Leben der Menschen spielen und extrem das Weltbild von einem großen Teil der Bevölkerung prägen.
Nun, schon an diesem Punkt meines heutigen Beitrages ist zu erkennen, dass ich nicht unbedingt neutral und unvoreingenommen an das Thema herangehen werde! Ich möchte niemanden vor den Kopf stoßen, sondern einfach nur meinen Blog nutzen, um der winzigen, das hier lesenden, Öffentlichkeit über etwas zu berichten, was mir sehr am Herzen liegt. 
Ausschlaggebend dafür ist eine Begegnung, die ich am letzten Wochenende hier in einem Club gemacht habe. Es waren ein paar Freiwillige zu Besuch in Cluj und so wurde von uns diese Gelegenheit dazu genutzt ein wenig zu feiern, zu trinken und zu tanzen, wie es junge Menschen nun einmal machen, die in einer Stadt mit einer ausreichend großen Partyszene leben. Der Sonntag war erst wenige Stunden alt, der Club ziemlich voll, die Musik gut, die Stimmung auch und ich hatte mir gerade mein erstes Bier gekauft, als mir ein junger Mann über den Weg lief. Er hatte einen Dreitagebart, war gar nicht mal so schlecht aussehend und sprach außerdem ziemlich gut englisch, wodurch wir ein bisschen ins Gespräch gekommen sind: Was ich denn hier so in Cluj mache, ob es mir gefällt und so weiter. Plötzlich stellte sich dann aber etwas heraus, worüber ich ziemlich erstaunt, wenn nicht sogar für einen kurzen Augenblick schockiert war: Bei meinem Gesprächspartner handelte es sich gar nicht um einen Mann, also irgendwie schon, dann aber auch wieder irgendwie nicht. Natürlich habe ich keine Ahnung wieviel Mann in diesem Augenblick vor mir stand! Ich verabschiedete mich dann nach einer Weile total verdutzt und musste erstmal den anderen von dieser Begegnung erzählen, die mindestens genauso überrascht waren wie ich. Niemals wäre ich davon ausgegangen in Rumänien einem Transsexuellen zu begegnen, ist Homosexualität ( und damit zusammenhängend auch Transsexualität) doch ein Tabuthema in der Gesellschaft!
Also wurde ich neugierig und habe den dann mittlerweile schon deutlich älteren Sonntag dazu genutzt, ein wenig zu recherchieren. Gibt es in Rumänien eine Homoszene? Wie sieht diese aus? Was gibt es für Vereine, welche Rechte haben Homosexuelle und und und...
Zuerst habe ich mich auf das Partyleben spezialisiert gehabt. Mir war klar, dass es sicherlich nicht so viele Möglichkeiten geben wird wie ich es von Leipzig her kenne, aber in einer Studentenstadt wie Cluj muss ja irgendwas zu finden sein. Tatsächlich gibt es hier einen Gay-Club, der sogar direkt in der Innenstadt auf einem (für Cluj nicht untypisch) Hinterhof liegt. Zudem gab es eine kleine Anzahl gay-freundlicher Clubs mit gemischten Publikum, darunter übrigens auch die Disko, in der wir die Nacht von Samstag auf Sonntag verbracht hatten. 
Natürlich ist ein Club auf 324.000 Einwohner nicht wirklich viel, wenn man davon ausgeht, dass etwa 5% der Menschen weltweit homosexuell sind und dieser Wert sicherlich auch in Rumänien nicht deutlich davon abweicht. Zudem befinden sich solche Clubs nur in den großen Städten in Rumänien, wodurch es vermutlich auch einen recht großen Anteil derer gibt, die extra weit anreisen, um sich in das Partygetümmel zu stürzen.
Wie von mir also nicht anders erwartet gibt es im konservativen Rumänien keine LGBT-Community, die regelmäßig offen feiern kann und öffentlich stolz darauf sein darf, das zu sein, was sie ist.
Und mit somit schon ziemlich böser Vorahnung habe ich mich gewagt, den Blick von der Partykultur abzuwenden und zu schauen, wie der Rest des Lebens für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transexuelle in dem osteuropäischen Land wohl aussehen muss. 
Dabei ist mir dann ein Erlebnis eingefallen, dass ich schon vor ein paar Monaten hier in Rumänien hatte. Über meine damalige Mitbewohnerin bin ich in einen ungarischen Taizé-Gottesdienst geraten. Und da saßen wir nun, als einzige Ausländer zwischen einem evangelischen Pfarrer, dem katholischen Organisator und ein paar weiteren Ungarn, die hier in Rumänien ja selbst einer Minderheit angehören. Wir hatten ehrlich gesagt etwas anderes von dieser Veranstaltung erwartet und waren dann doch ziemlich überrascht, als der Pfarrer erst eine Predigt über die Bedeutung der Liebe und Familie abhielt und danach eine Diskussion darüber entbrannte, inwieweit es positiv oder negativ ist, dass sich das Familienleben in den letzten Jahren verändert hat. Es ging darum, wie wir Liebe definieren, dass Frauen später Kinder kriegen und sich lieber um ihre Karriere kümmern und so weiter. Es wurden Dinge kritisiert, die für uns Westeuropäer selbstverständlich sind. Natürlich fand die Diskussion auf ungarisch statt und so wurde uns nur ansatzweise übersetzt, worüber gerade gesprochen worden war. Dennoch war auch unsere Meinung gefragt, weil doch eine große Neugierde an unserem westlichen Familienbild bestand. Das Gespräch war die ganze Zeit freundlich, die Ungarn waren offen und wirklich interessiert, wie auch wir. Dennoch war merklich, dass bei einigen Beiträgen die jeweils andere Seite nur mit dem Kopf schütteln konnte. 
Und dann, wie sollte es anders sein, viel das Stichwort Homosexualität. Für mich war es der Augenblick, wo ich nur widerwillig meinen Mund hielt, um die freundliche Atmosphäre nicht zu zerstören. Einer der Beteiligten erzählte von einem Trip nach Deutschland, wo er in der Berliner U-Bahn ein sich küssendes lesbisches Pärchen sah. Für ihn war das etwas äußerst Ungewöhnliches und so beobachtete er das Paar, bis ihm auffiel, dass niemand anderes der Fahrgäste in irgendeiner Weise besonderes Interesse an dem Ereignis zeigte. Er sagte, dass er so etwas noch nie in der Öffentlichkeit gesehen hatte, wäre es doch in Rumänien ein Ding der Unmöglichkeit seine sexuelle Neigung so offen zur Schau zu stellen. In diesem Moment kam rechts von mir ein Dazwischenruf. Ein mir bis dahin sehr sympathischer Mann kommentierte das Gesagte mit einem "Ist doch richtig so!"
Ich habe in diesem Moment schlucken müssen. Natürlich war mir klar, dass in Rumänien, einem Land, in dem Diskriminierung gegenüber Minderheiten scheinbar das Normalste auf der Welt ist, auch Homosexuelle ein schweres Leben haben müssen. Aber in diesem Moment ist mir das noch einmal viel deutlicher und realer geworden. 
Und so stieß ich während meiner Recherche auf verschiedene Tatsachen:
- Homosexualität wurde 1996 im Privatbereich legalisiert
- Erst 2001 wurde durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein Artikel des rumänischen Strafgesetzbuches aufgehoben, welcher öffentliche Erscheinungsformen von Homosexualität unter Strafe setzte
- seit 2002 ist das homosexuelle dem heterosexuellen Schutzalter von 15 Jahren gleichgestellt
- 2000 wurde ein Gesetz aufgrund der Antidiskriminierungsvorschriften der EU erlassen, welches eine Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung in bestimmten Bereichen verbietet
- von staatlicher Seite gibt es keine gesetzliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare
(Ich habe mir ehrlich gesagt nicht allzu viel Mühe gemacht und ihr könnt das alles detailierter bei, wie sollte es anders sein, Wikipedia nachlesen!)
Zudem bin ich über queer.de auf einen Artikel über Diskriminierung von Homosexuellen gestoßen. Demnach sind Schwule die unbeliebteste Minderheit in Rumänien. Mehr als ein Drittel der Rumänen würden Schwule aufgrund ihrer sexuellen Orientierung bestrafen wollen; 84% der Rumänen gaben an, nicht aus einem Glas trinken zu wollen, aus dem zuvor ein Schwuler getrunken hat. Meiner Meinung nach sind das erschreckende Umfragewerte! 
Wenn ich also schon schräg angeschaut werde, weil ich in einer Einrichtung für Roma-Kinder arbeite und damit versuche Kindern eine Chance auf Bildung und eine bessere Zukunft zu geben, wie soll jemand, der Homosexuell, Bisexuell oder Transsexuell ist, jemals den Mut fassen dazu stehen zu können, wenn er in der Gesellschaft noch unbeliebter ist als meine Roma - Kinder?

Und so bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich keine Antwort finde. Ich kann nur hoffen. Hoffen, dass sich in diesem Land, welches seit 2007 Teil der Europäischen Union ist, etwas ändert. Erst wenn ein Großteil der Bevölkerung gelernt hat, sich Minderheiten gegenüber zu öffnen, Vorurteile ablegt und Lebensweisen, die nicht der Norm entsprechen, akzeptiert, kann sich etwas für die Betroffenen zum Positiven verändern.


Und so habe ich nun schon das zweite Mal in Folge einen langen Text auf meinem Blog veröffentlicht und traue mich gar nicht erst zu versprechen, dass das so schnell nicht wieder vorkommen wird. Mittlerweile ist es hier schon nach 2 Uhr nachts und ich sollte so langsam die Äuglein schließen, weil ich morgen um kurz vor 7 aufstehen muss. Also möchte ich zu guter letzt nur noch darauf hinweisen, dass das in der Überschrift zitierte aus dem Song "Same Love" von Macklemore stammt - während das Lied in Deutschland hoch und runter läuft, habe ich es hier noch nicht einmal gehört! - und schaue mit besorgten Blick nach Deutschland und auf die Diskussion über einen sehr umstrittenen Bildungsplan...