Samstag, 8. Februar 2014

Salina Turda und endlich wieder Fotos

Ich habe mich die letzte Zeit ja doch schon etwas rar gemacht. Nachdem es hier eine Woche richtig schön Schnee gab und ich mit den Kindern sogar Schlitten fahren war, ist mittlerweile alles wieder weggeschmolzen. Der eiskalte rumänische Winter ist mir scheinbar erspart geblieben, zumindest sieht es bislang nicht nach den uns versprochenen -15 bis -20 Grad Celsius aus, was mir doch sehr entgegen kommt.
Die letzte Woche hatten die Kinder Ferien und so war auf Arbeit eher Langeweile als stressiger Alltag angesagt. In den Ferien bekommen die Kinder nämlich jeweils eine Stunde Individualbetreuung, doch wenn die Kinder keine Lust haben zu kommen, dann gibt es eben nichts zu tun. Und das gab den Jungs und mir Zeit, damit wir mal was für das Wochenende planen können. Die letzten beiden Wochenenden war ja immer Besuch da und so gab es die üblichen Stadtspaziergänge und Bar-Hopping Abende. Es ist echt fantastisch, in welcher Geschwindigkeit man als Freiwilliger andere Freiwillige kennenlernen kann und mit denen dann wunderschöne Stunden verbringt, ohne ihnen vorher jemals begegnet zu sein. Ich habe an mir selbst echt bemerkt, dass ich durch die letzten Monate hier deutlich offener fremden Menschen gegenüber geworden bin. Und es ist ja auch unheimlich spannend mit Leuten zu reden, die aus den verschiedensten Teilen der Welt herkommen.
Aber heute ging es mal für mich raus aus Cluj und ins 35 Kilometer entfernte Turda. Turda hat nämlich neben der Cheile Turzii, durch die ich im Herbst ja schon mal gewandert bin, auch ein Salzbergwerk zu bieten. Doch ist die Salina Turda so ziemlich überhaupt nicht das, was man erwartet, wenn man eine Salzmine anschauen möchte. Denn anders als erwartet befindet sich in den Stollen kein übliches Bergwerksmuseum. Bei 10 bis 12 Grad kann man da unten nämlich Riesenrad fahren, Tischtennis spielen oder rudern. An sich eine schöne Attraktion, nur über den Salzabbau erfährt man vor Ort nicht viel und so lässt sich nur an den Namen der verschiedenen Stolln (z.B. Franz Josef) erahnen, dass bereits unter Habsburger Herrschaft in der Salina Salz abgebaut worden ist.
Ein ewiglanger Gang - die Galeria Franz Josef
Der Blick von oben hinunter auf den Bergwerksee
Das Riesenrad unter Tage
Max rudert und Robin und ich genießen
Der Blick in die riesige Halle (Mine Rudolph)
Leider sind aufgrund der Lichtverhältnisse, meiner bescheidenen Fotografenkünste und den jetzt nicht gerade überwältigenden Fähigkeiten meiner Kamera nicht wirklich viele Fotos was geworden und so fehlen besonders die Fotos, die die überdimensionale Höhe und Weite der Mine Rudolph festhalten. Aber die Fotos beweisen wohl, dass viel Salzbergwerk nicht unbedingt viel Salzbergwerk bedeuten muss... Dennoch war es ein schöner Samstagsausflug und Angst aus Turda nicht mehr wegzukommen hatte ich auch nicht mehr wie beim letzten Mal.

Dienstag, 28. Januar 2014

And "God loves all his children" is somehow forgotten

Bislang bestehen alle meine Blogeinträge aus meinen eigenen Erfahrungen in Rumänien. Ich habe über meine Arbeit, Freizeitbeschäftigungen und Reisen berichtet. Schließlich möchte ich alle, die Interesse daran haben zu erfahren, was ich hier so treibe, auch an meinem Leben hier teilhaben lassen. Aber ich denke, dass dieser Blog auch eine Plattform für mich bietet, euch an Dingen teilhaben zu lassen, die vielleicht nicht unbedingt direkt mein Leben hier betreffen.
Ich habe heute einmal vor über ein Thema zu berichten, zu dem ich mich selbst erstmal ein wenig im Internet schlau machen musste. In der deutschen Toleranz und (Nicht-)Akzeptanz kenne ich mich ja spätestens seit meiner Komplexen Lernleistung (eine umfangreiche Hausarbeit in der zwölften Klasse) doch ziemlich gut aus. Und wenn mir schon in Deutschland gelegentlich das Kotzen kommt schlecht wird, weil ich von unqualifizierten, intoleranten und unserer Zeit nicht angemessenen Meinungen hören und lesen muss, wie muss das dann in einem Land sein, dass unserer westlichen Kultur -  sagen wir - hinterher hängt? Ein  Land, in dem Werte und Anschauungen noch andere sind, in dem die katholische und orthodoxe Kirche eine weitaus größere Rolle im Leben der Menschen spielen und extrem das Weltbild von einem großen Teil der Bevölkerung prägen.
Nun, schon an diesem Punkt meines heutigen Beitrages ist zu erkennen, dass ich nicht unbedingt neutral und unvoreingenommen an das Thema herangehen werde! Ich möchte niemanden vor den Kopf stoßen, sondern einfach nur meinen Blog nutzen, um der winzigen, das hier lesenden, Öffentlichkeit über etwas zu berichten, was mir sehr am Herzen liegt. 
Ausschlaggebend dafür ist eine Begegnung, die ich am letzten Wochenende hier in einem Club gemacht habe. Es waren ein paar Freiwillige zu Besuch in Cluj und so wurde von uns diese Gelegenheit dazu genutzt ein wenig zu feiern, zu trinken und zu tanzen, wie es junge Menschen nun einmal machen, die in einer Stadt mit einer ausreichend großen Partyszene leben. Der Sonntag war erst wenige Stunden alt, der Club ziemlich voll, die Musik gut, die Stimmung auch und ich hatte mir gerade mein erstes Bier gekauft, als mir ein junger Mann über den Weg lief. Er hatte einen Dreitagebart, war gar nicht mal so schlecht aussehend und sprach außerdem ziemlich gut englisch, wodurch wir ein bisschen ins Gespräch gekommen sind: Was ich denn hier so in Cluj mache, ob es mir gefällt und so weiter. Plötzlich stellte sich dann aber etwas heraus, worüber ich ziemlich erstaunt, wenn nicht sogar für einen kurzen Augenblick schockiert war: Bei meinem Gesprächspartner handelte es sich gar nicht um einen Mann, also irgendwie schon, dann aber auch wieder irgendwie nicht. Natürlich habe ich keine Ahnung wieviel Mann in diesem Augenblick vor mir stand! Ich verabschiedete mich dann nach einer Weile total verdutzt und musste erstmal den anderen von dieser Begegnung erzählen, die mindestens genauso überrascht waren wie ich. Niemals wäre ich davon ausgegangen in Rumänien einem Transsexuellen zu begegnen, ist Homosexualität ( und damit zusammenhängend auch Transsexualität) doch ein Tabuthema in der Gesellschaft!
Also wurde ich neugierig und habe den dann mittlerweile schon deutlich älteren Sonntag dazu genutzt, ein wenig zu recherchieren. Gibt es in Rumänien eine Homoszene? Wie sieht diese aus? Was gibt es für Vereine, welche Rechte haben Homosexuelle und und und...
Zuerst habe ich mich auf das Partyleben spezialisiert gehabt. Mir war klar, dass es sicherlich nicht so viele Möglichkeiten geben wird wie ich es von Leipzig her kenne, aber in einer Studentenstadt wie Cluj muss ja irgendwas zu finden sein. Tatsächlich gibt es hier einen Gay-Club, der sogar direkt in der Innenstadt auf einem (für Cluj nicht untypisch) Hinterhof liegt. Zudem gab es eine kleine Anzahl gay-freundlicher Clubs mit gemischten Publikum, darunter übrigens auch die Disko, in der wir die Nacht von Samstag auf Sonntag verbracht hatten. 
Natürlich ist ein Club auf 324.000 Einwohner nicht wirklich viel, wenn man davon ausgeht, dass etwa 5% der Menschen weltweit homosexuell sind und dieser Wert sicherlich auch in Rumänien nicht deutlich davon abweicht. Zudem befinden sich solche Clubs nur in den großen Städten in Rumänien, wodurch es vermutlich auch einen recht großen Anteil derer gibt, die extra weit anreisen, um sich in das Partygetümmel zu stürzen.
Wie von mir also nicht anders erwartet gibt es im konservativen Rumänien keine LGBT-Community, die regelmäßig offen feiern kann und öffentlich stolz darauf sein darf, das zu sein, was sie ist.
Und mit somit schon ziemlich böser Vorahnung habe ich mich gewagt, den Blick von der Partykultur abzuwenden und zu schauen, wie der Rest des Lebens für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transexuelle in dem osteuropäischen Land wohl aussehen muss. 
Dabei ist mir dann ein Erlebnis eingefallen, dass ich schon vor ein paar Monaten hier in Rumänien hatte. Über meine damalige Mitbewohnerin bin ich in einen ungarischen Taizé-Gottesdienst geraten. Und da saßen wir nun, als einzige Ausländer zwischen einem evangelischen Pfarrer, dem katholischen Organisator und ein paar weiteren Ungarn, die hier in Rumänien ja selbst einer Minderheit angehören. Wir hatten ehrlich gesagt etwas anderes von dieser Veranstaltung erwartet und waren dann doch ziemlich überrascht, als der Pfarrer erst eine Predigt über die Bedeutung der Liebe und Familie abhielt und danach eine Diskussion darüber entbrannte, inwieweit es positiv oder negativ ist, dass sich das Familienleben in den letzten Jahren verändert hat. Es ging darum, wie wir Liebe definieren, dass Frauen später Kinder kriegen und sich lieber um ihre Karriere kümmern und so weiter. Es wurden Dinge kritisiert, die für uns Westeuropäer selbstverständlich sind. Natürlich fand die Diskussion auf ungarisch statt und so wurde uns nur ansatzweise übersetzt, worüber gerade gesprochen worden war. Dennoch war auch unsere Meinung gefragt, weil doch eine große Neugierde an unserem westlichen Familienbild bestand. Das Gespräch war die ganze Zeit freundlich, die Ungarn waren offen und wirklich interessiert, wie auch wir. Dennoch war merklich, dass bei einigen Beiträgen die jeweils andere Seite nur mit dem Kopf schütteln konnte. 
Und dann, wie sollte es anders sein, viel das Stichwort Homosexualität. Für mich war es der Augenblick, wo ich nur widerwillig meinen Mund hielt, um die freundliche Atmosphäre nicht zu zerstören. Einer der Beteiligten erzählte von einem Trip nach Deutschland, wo er in der Berliner U-Bahn ein sich küssendes lesbisches Pärchen sah. Für ihn war das etwas äußerst Ungewöhnliches und so beobachtete er das Paar, bis ihm auffiel, dass niemand anderes der Fahrgäste in irgendeiner Weise besonderes Interesse an dem Ereignis zeigte. Er sagte, dass er so etwas noch nie in der Öffentlichkeit gesehen hatte, wäre es doch in Rumänien ein Ding der Unmöglichkeit seine sexuelle Neigung so offen zur Schau zu stellen. In diesem Moment kam rechts von mir ein Dazwischenruf. Ein mir bis dahin sehr sympathischer Mann kommentierte das Gesagte mit einem "Ist doch richtig so!"
Ich habe in diesem Moment schlucken müssen. Natürlich war mir klar, dass in Rumänien, einem Land, in dem Diskriminierung gegenüber Minderheiten scheinbar das Normalste auf der Welt ist, auch Homosexuelle ein schweres Leben haben müssen. Aber in diesem Moment ist mir das noch einmal viel deutlicher und realer geworden. 
Und so stieß ich während meiner Recherche auf verschiedene Tatsachen:
- Homosexualität wurde 1996 im Privatbereich legalisiert
- Erst 2001 wurde durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein Artikel des rumänischen Strafgesetzbuches aufgehoben, welcher öffentliche Erscheinungsformen von Homosexualität unter Strafe setzte
- seit 2002 ist das homosexuelle dem heterosexuellen Schutzalter von 15 Jahren gleichgestellt
- 2000 wurde ein Gesetz aufgrund der Antidiskriminierungsvorschriften der EU erlassen, welches eine Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung in bestimmten Bereichen verbietet
- von staatlicher Seite gibt es keine gesetzliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare
(Ich habe mir ehrlich gesagt nicht allzu viel Mühe gemacht und ihr könnt das alles detailierter bei, wie sollte es anders sein, Wikipedia nachlesen!)
Zudem bin ich über queer.de auf einen Artikel über Diskriminierung von Homosexuellen gestoßen. Demnach sind Schwule die unbeliebteste Minderheit in Rumänien. Mehr als ein Drittel der Rumänen würden Schwule aufgrund ihrer sexuellen Orientierung bestrafen wollen; 84% der Rumänen gaben an, nicht aus einem Glas trinken zu wollen, aus dem zuvor ein Schwuler getrunken hat. Meiner Meinung nach sind das erschreckende Umfragewerte! 
Wenn ich also schon schräg angeschaut werde, weil ich in einer Einrichtung für Roma-Kinder arbeite und damit versuche Kindern eine Chance auf Bildung und eine bessere Zukunft zu geben, wie soll jemand, der Homosexuell, Bisexuell oder Transsexuell ist, jemals den Mut fassen dazu stehen zu können, wenn er in der Gesellschaft noch unbeliebter ist als meine Roma - Kinder?

Und so bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich keine Antwort finde. Ich kann nur hoffen. Hoffen, dass sich in diesem Land, welches seit 2007 Teil der Europäischen Union ist, etwas ändert. Erst wenn ein Großteil der Bevölkerung gelernt hat, sich Minderheiten gegenüber zu öffnen, Vorurteile ablegt und Lebensweisen, die nicht der Norm entsprechen, akzeptiert, kann sich etwas für die Betroffenen zum Positiven verändern.


Und so habe ich nun schon das zweite Mal in Folge einen langen Text auf meinem Blog veröffentlicht und traue mich gar nicht erst zu versprechen, dass das so schnell nicht wieder vorkommen wird. Mittlerweile ist es hier schon nach 2 Uhr nachts und ich sollte so langsam die Äuglein schließen, weil ich morgen um kurz vor 7 aufstehen muss. Also möchte ich zu guter letzt nur noch darauf hinweisen, dass das in der Überschrift zitierte aus dem Song "Same Love" von Macklemore stammt - während das Lied in Deutschland hoch und runter läuft, habe ich es hier noch nicht einmal gehört! - und schaue mit besorgten Blick nach Deutschland und auf die Diskussion über einen sehr umstrittenen Bildungsplan...

Sonntag, 19. Januar 2014

Heimaturlaub

So, ich melde mich auch mal wieder aus der Ferne. In der letzten Zeit habe ich es ja ganz schön schleifen gelassen mit den Blogeinträgen und so ist der letzte Eintrag mittlerweile über einen Monat alt. Sicherlich trägt mein zweiwöchiger Heimaturlaub daran die Hauptschuld. Es gab unheimlich viel zu tun und es war wahnsinnig schön nach vier Monaten wieder deutsche Luft schnuppern zu dürfen.

Am 21. Dezember ging es in der frühen Frühe auf zum Flughafen hier in Cluj, schließlich ging der Flieger schon 6.50 Uhr (glaube ich mich zu erinnern). Für mich war das der erste Flug, der nicht von Erwachsenen für mich organisiert wurde und so war das ganz Unternehmen eine sehr aufregende Angelegenheit, mit dem Ergebnis, dass ich etwa schon eine dreiviertel Stunde vor Check-In auf dem Flughafen saß und die ganze Nacht keine Minute geschlafen hatte. Zum Glück hatte ich am Morgen ausschlafen können, denn ich musste erst am späten Mittag arbeiten, es ging nämlich mal wieder mit den Kindern in die Metro singen.
Da es auf dem Flughafen mal wieder ziemlich rumänisch zuging, kam ich dann auch mit reichlicher Verspätung, aber wenigstens mit einem leckeren Tomatensäftchen im Bauch, in München an. Mein Empfangskomitee, bestehend aus Papa und meinem Onkel Micha, stand auch schon bereit und so konnte es dann auch flott mit dem Auto auf in Richtung Leipzig gehen. Zwischendurch gab es noch einen kurzen Stopp an einer Raststelle und für mich (nach gefühlten Ewigkeiten) ein ordentliches Schnitzel zum Frühstück.
Zu Hause angekommen musste ich es erstmal wieder ausnutzen, dass es eine Badewanne gibt und danach ging es auch schon auf nach Rackwitz, Geburtstag feiern. Nach 37 anstregenden, aufregenden und wachen Stunden ging es dann endlich ins Bettchen, wenn auch noch immer nicht in mein eigenes, das musste noch eine Nacht ohne mich auskommen. Der nächste Morgen begann dann schon wieder viel zu früh, denn ich wollte dieses Weihnachten unbedingt noch den Leipziger Weihnachtsmarkt erkunden. Und das bot auch gleich die Gelegenheit den neuen City-Tunnel zu erforschen, denn von Rackwitz konnte ich nun auf direktem Wege zum Markt fahren, wo mich meine Eltern abgeholt haben. Bis auf den City-Tunnel sieht Leipzig aber noch genauso aus wie als ich es verlassen hatte. Und so sind die 15 Tage Deutschland wie Eis in der Sommerhitze einfach vor meinen Augen weggeschmolzen. Ich war zweimal im Kino ("Fack ju Göhte" und "Blau ist eine warme Farbe"), habe die Völkerschlacht im 360 Grad - Umblick betrachtet, durfte mit nach Döbeln zum Tunier fahren (übrigens haben wir den 1.Platz gemacht und es wunderbar mal wieder an einen Ball treten zu können) und habe einfach die Zeit mit meinen Lieben genossen. Nicht zu vergessen natürlich auch die wunderbaren Weihnachtsfeiertage und das süffige Silvester, welche man einfach viel mehr zu schätzen weiß, wenn man so lange weg war.
Der Rückflug gestaltete sich dann auch noch mal als kleine Herausforderung, weil der Flieger um 9:05 ging und ich ja erstmal wieder nach München musste. Eine gut nutzbare Direktverbindung gab es für mich leider nicht und so ging es schon am Sonntag nach München, um noch eine Nacht bei meinem Patenonkel zu verbringen (vielen lieben Dank nochmal dafür). Es war dann doch recht schwer in den Zug zu steigen und Leipzig aus dem Zugfenster heraus weggleiten zu sehen. Was dann aber noch viel schwerer für mich war, war der Weg vom Flughafen in Cluj zu meiner Wohnung, weil in diesem Moment die Heimat wieder so weit entfernt war. Aber nun bin ich schon zwei Wochen wieder in Rumänien und der Alltag ist wieder eingekehrt, wenn er sich nun auch als etwas stressiger gestaltet, weil nun noch so einiges ansteht. Zum einen ist eine meiner beiden Gruppenbetreuerinnen für drei Wochen nicht da und so habe ich natürlich mehr Stress auf Arbeit und muss ein bisschen mehr Zeit in die Vorbereitung investieren. Dann kommt nun dazu, dass zwei Berichte über mein DJiA anstehen, die ich in den nächsten Tagen schreiben sollte und mir ist bewusst geworden, dass ich vielleicht langsam mal einen Plan für das nächste Jahr entwickeln sollte und so heißt es Universitäten und Studiengänge zu finden und Bewerbungen zu schreiben.
Jetzt habe ich schon eine ganze Menge Text für euch produziert und hätte eigentlich doch noch so einiges zu erzählen, aber das werde ich mir wohl für den nächsten Eintrag aufheben.
Also dann entschuldigt das viele Geschriebene, das für die Bildzeitungs-Leser unter euch nichtmal mit schicken Bildern ausgestaltet wurde, und viele liebe Grüße aus dem fernen Rumänien :)

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Adventskalendertürchen am 3. Advent

"Die Wangen sind mit Asche beschmutzt, aber der Schornsteinfeger ist es nicht. Ein Hütchen mit Federn, die Armbrust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht. Ein silbergewirktes Kleid mit Schleppe zum Ball, aber eine Prinzessin ist es nicht." - Aschenbrödel

Kennt ihr den Moment, wenn man an einem Sonntagmorgen (oder doch schon eher frühem Vormittag) aufwacht, die Sonne das ganze Zimmer erhellt und man einfach überhaupt nicht aufstehen will, obwohl man unter seiner Decke so schwitzt, dass es eigentlich gar nicht mehr auszuhalten ist? Und was es dann für ein erschreckendes Erlebnis ist, wenn der Bauch krummelt und man mit Entsetzen feststellt, dass man vergessen hat einzukaufen und so überhaupt nichts Essbares in der Wohnung ist, außer ein bisschen Schokolade und Popcorn?
- Noch nie erlebt?! Na dann macht ihr auf jeden Fall etwas richtig in euerem Leben ;)
Der Rest weiß sicherlich, wie man das Beste aus dieser Situation herausholt. Zum Frühstück gibt es Schokolade, die am Vortag im Adventskalender war (Löffeleier!!!- zu dieser Jahreszeit?!) und dazu guckt man den schönsten Märchenfilm überhaupt - Drei Haselnüsse für Aschenbrödel! (Übrigens auch aus dem Adventskalender von meinen Eltern, die einfach wissen wie man das Töchterchen glücklich macht.) Da fühlt man sich wieder wie ein kleines Mädchen, wenn das Aschenbrödel auf ihrem Nikolaus durch den verschneiten Nadelwald reitet, im Hintergrund dieser Soundtrack läuft und der Prinz am Ende doch das Rätsel löst. Jedenfalls ist es dann gleich immer ein wenig wie Weihnachten, auch wenn ich einfach nicht darauf klar komme, wie drei Männer in ihren Strumpfhosen dem Aschenbrödel hinterherjagen...

Und weil ihr gerade so schön mitgespielt habt, gibt es noch einen Moment für euch, den ihr kennen solltet:
Kennt ihr den Moment, wenn man beim Bowlingspielen gewinnt?
- Wenn nicht, dann sorry Leute, aber dieser erhabene Moment, wenn nach zwei Runden hartem Kampf, in denen man extreme Nervenstärke zeigen musste, und dann, trotz aller Vorurteile und Demütigungen, auf dem Bildschirm der Endstand erleuchtet und man nicht nur der Sieger der Herzen ist, sondern des gesamten Turniers, ist einfach unbeschreiblich!
Ich habe sie geschlagen, sie gedemütigt, ihnen gezeigt, wo sie hingehören! Ich durfte oben auf dem Siegertreppchen stehen, habe die Herzen erobert und den gesamten Ruhm verdient und bekommen!!!

Okay, nun ist genug ;)
Auch wenn in jedem Mädchen ein klein wenig Aschenbrödel steckt, ist das Leben ja doch kein Märchen und kein Prinz kommt auf seinem Apfelschimmel angeritten und steckt mir meinen verlorenen Schuh an.
Deswegen musste ich am Samstagnachmittag arbeiten, nachdem Fiona und Robin den Vormittag übernommen hatten. Es ging mit ein paar Kindern aus Mera in die Metro, dort Flyer verteilen und Weihnachtslieder singen. Sinn der Sache war es Spenden zu sammeln, die Clujer über das Kinderprogramm zu informieren und vielleicht jemanden zu überzeugen, auch größere Spenden zu geben. Schließlich wird das Programm, in dem ich arbeite, zu einem großen Teil von Spendengeldern finanziert. Nach dem Arbeiten ging es dann mit Fiona, Max, Robin und Dorle, die aus Bukarest zu Besuch gekommen war, Bowling spielen, wo es dann zu meinem großen Triumph kam, der in Wirklichkeit natürlich eher weit aus weniger spannend, bedeutend und eindeutig war als oben dargestellt. Am Sonntag speisten wir in einem sehr cool eingerichteten Restaurant, das quasi ein überdachter Innenhof war. Für mich ging es dann aber direkt nach Hause, denn Jule ist noch am Abend angereist, weil sie heute von Cluj aus nach Hause geflogen ist. Noch zweimal arbeiten und noch zweieinhalbmal schlafen und dann darf auch ich nach Hause. Doch bevor es so weit ist gibt es noch ein paar Momente in Bildern festgehalten.
Schichtwechsel!
Diese wunderschönen Kittel, wie beim Zahnarzt...
Beim SMS-Schreiben erwischt wurden.
Bowlingspielen!
Sportlich, sportlich ;)
Das historische Ergebnis!!!
Sonntagsessen mit besonderem Ambiente

Freitag, 13. Dezember 2013

Und ich atme die kalte Dezemberluft...

Es ist mittlerweile ganz schön kalt hier in Rumänien. Und geschneit hat es auch schon ganz brav, auch wenn zur Zeit wieder alles weggeschmolzen ist. Aber auch trotz fehlendem Schnee bekommt man in Cluj ausreichend Weihnachtsstimmung vermittelt. Oder zumindest möchte ich den Rumänen unterstellen, dass sie dies mit ständigem Weihnachtsliedergedudel, überladener Deko und lilanen Weihnachtsbäumen beabsichtigen. Manchmal möchte ich nämlich einfach nur davonrennen und kein weiteres Mal "All I want for christmas is you" hören oder befürchten müssen, dass ich vor lauter bunten Lichtern erblinden werde.
Da ist mir das ständige "O brad frumos"-Gesinge mit den Kindern in Mera schon deutlich lieber. Seit heute steht dort auch ein Weihnachtsbaum aus Plastik herum, der zum Glück nicht völlig überladen von den größeren Kindern geschmückt wurde.
Letztes Wochenende war ich auf der künstlichen Eisfläche im Stadtzentrum Schlittschuh laufen und habe auch den ersten Glühwein in diesem Jahr getrunken. Plätzchen haben wir auch nochmal gebacken, diesmal in einem riesigen Ausmaß. Einmal die Woche unterstützt uns in Mera nämlich eine Freiwillige, die vor kurzem mit ihrem Mann von Deutschland nach Cluj gezogen ist und sehr gerne backt. Zur Nikolausfeier hatten wir dann bei ihr zu Hause ganz viele Lebkuchen und Plätzchen gebacken, die die Kinder dann zwei Tage später in Mera verzieren durften. Das war mit Abstand mein bisher liebster Arbeitstag, auch wenn ich mich noch nie so vollgefressen wie an diesem Tag gefühlt habe.
Wunderschöner Ausblick beim Plätzchenbacken... Hinter dem Nebel beginnen die Berge!

Weihnachtsmann und Weihnachtsfrau in der Iulius Mall
So ein dickes Fell wie die Schäfchen hätte ich auch gerne,
dann würde ich nie frieren.
Piata Avram Iancu und gaaaaaanz viel blau!
(Andernorts auch in rot zu haben)
Schnee!!! - und schonwieder alles blau erleuchtet...

Sonntag, 1. Dezember 2013

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt...

Endlich dürfen wir heute alle das erste Türchen öffnen. Und passend zum ersten Advent wurde auch der Weihnachtsmarkt hier in Cluj eröffnet. Auf dem Marktplatz befinden sich jetzt ein paar Buden sowie eine Eisfläche zum Schlittschuhlaufen, die heute allerdings noch nicht geöffnet hatte. 
Zudem war heute rumänischer Nationalfeiertag. Schon seit zwei Tagen hängen überall rumänische Fahnen und alle öffentlichen Gebäude werden von riesigen Flaggen geziert. Ansonsten habe ich aber nicht wirklich viel von den Festlichkeiten mitbekommen, sondern nur das Feuerwerk vorm Computer sitzend mit angehört. Die Faulheit und die Kälte haben nämlich mal wieder gesiegt und ich habe es nicht geschafft, mich nach dem gemeinsamen Plätzchenbacken mit Fiona und Kathrin nochmal aufzuraffen und raus zu gehen und das Feuerwerk zu beobachten. Und jetzt ist wieder Tatortzeit :)


Den gestrigen Tag habe ich eigentlich nur im Bett verbracht und Harry Potter und die Heiligtümer des Todes  gelesen. Erst am Nachmittag konnte ich mich dann zum Einkaufengehen motivieren. Am Abend sind wir dann in die ungarische Oper gegangen. Für mich gleichzeitg das erste Mal, dass ich hier mit der Straßenbahn gefahren bin. In der Oper fand eine Volkstanz-Show statt, die wirklich ganz interessant anzugucken war, besonders, weil die letzte Tanzgruppe auf der Bühne ihre ganz eigene Pary geschmissen hatte. Danach ging es noch in eine ungarische Kneipe zur Aftershow-Party, auf der auch fleißig getanzt wurde. Allerdings sind wir ziemlich früh auch wieder gegangen, weil uns transilvanischer Volkstanz eher weniger liegt und die Müdigkeit uns plötzlich übermannt hatte.

Dienstag, 26. November 2013

Singen ohne Texte kennen

Das letzte Wochenende habe ich ziemlich ruhig verbracht. Freitag gab es Käsefondue, um Aninas Abschied gebührend zu feiern. Meine liebe Mitbewohnerin ist am Samstag nämlich wieder zurück in die Schweiz geflogen, wo es (auch wenn Anina immer widersprochen hat) nur Berge, Täler und Käse gibt. Und ich hatte Freitag ein wunderbares Erfolgserlebnis, ich habe nämlich auf rumänisch ein Taxi bestellt. Eigentlich nicht wirklich schwer, aber wenn man wie ich ist, dann kann man sich da ja manchmal etwas anstellen. Ich bin nur froh, dass ich aus dieser Sache rausgekommen bin, ohne denen meinen Nachnamen diktieren zu müssen, das hätte dann nämlich doch für Probleme gesorgt. Nach dem ziemlich schweizerischen, aber schönen Abschiedsabend (neben Käsefondue gab es nämlich auch noch Schokolade aus der Schweiz) für Anina, habe ich sie am Sonnabend zum Flughafen gebracht. Jetzt kenne ich also auch noch den winzigen Flughafen hier in Cluj, zu dem man lieber nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreist. Kann nämlich sein, dass die etwas unregelmäßig kommen und es am Ende auch noch knapp wird. Am 21.12. darf ich dort dann auch um 6.50 Uhr in meinen Flieger Richtung Heimat steigen :) Und bis dahin lebe ich jetzt auch vorerst wieder alleine in meinem Einzimmerappartment und habe mich auch schon wieder richtig ausgebreitet.
Danach ging es dann noch mit Kathrins Besuch aus Sibiu Papanas essen und abends mal wieder ins Janis, ein bisschen tanzen bis die Füße schmerzen. Der Sonntag wurde dann, wenn ich nicht gerade zum Kaufland gewandert bin, der einfach ein viel besseres Angebot als Auchan hat, mit Wäsche waschen und Filme schauen verbracht. Und natürlich mit ganz viel chatten!!!

Und weil es einfach überhaupt keine neuen Bilder gibt, die ich euch präsentieren kann, habe ich mich mal für etwas anderes entschieden. Ich möchte euch nämlich mal ein bisschen über die Musik hier erzählen. Vor ein paar Tagen, vielleicht auch Wochen; das Zeitgefühl verschiebt sich hier bei mir so sehr. Manchmal rennt die Zeit davon und manchmal scheint sie einfach stehen geblieben sein und es geht einfach nicht voran mit den Tagen... Jedenfalls habe ich beschlossen, dass ich, bis ich wieder zu Hause bin, Energy Sachsen nicht mehr im Livestream verfolge, damit ich überrascht bin, was gerade so in Deutschland im Radio gespielt wird.
Auch wenn ich eigentlich kein rumänisches Radio höre, bekommt man natürlich doch so ein wenig mit, was gerade hier so in den Charts ist. Liegt es daran, dass die Leute in den Clubs zu irgendwelchen Liedern voll abgehen, die ich überhaupt nicht kenne, oder weil in Cafés und Restaurants immer unheimlich laut Musik läuft oder der Bus- oder Taxifahrer das Radio angeschaltet hat. Jedenfalls gibt es natürlich neben den Liedern, die auf der ganzen Welt gerade überall hoch- und runterlaufen und hier scheinbar immer ein bisschen später als in Deutschland ankommen, unheimlich viel rumänische Musik. Aber offenbar stehen die Rumänen auch auf Musik aus Deutschland, so hört man ziemlich häufig von Lena Meyer-Landrut 'Satellite' oder Sarah Connors 'From Sarah with Love'. Und es ist auch schon vorgekommen, dass der Kellner in der Kneipe Rammstein angemacht hat, als er mitbekommen hat, dass deutsche Gäste da sind.
Damit ihr mal ein bisschen mitbekommt, was ich gerade so rumänisches höre, habe ich ein paar Links für euch. Besonders Spaß macht es übrigens lautstark mitzusingen, auch wenn man nur von zwei Zeilen den Text kann und eigentlich auch nicht wirklich einen Überblick hat, was da gerade so gesungen wird. Ich hoffe, dass die Videos alle in Deutschland laufen. Im ersten Lied geht es um Schuhabsätze (Toc = Absatz), das nächste Lied heißt 'Perfect fara tine', also so viel wie 'Perfekt ohne dich'. Und das dritte Lied dürfte ja klar sein. Also ich bin mal gespannt, ob ihr reinhört und was ihr so davon haltet. 

Ich werde mich jetzt noch ein bisschen selbst bemitleiden, weil mich gestern die Zumbatante so gestrietzt hat und ich jetzt furchtbaren Muskelkater in den Waden habe... und noch ein wenig in der ARD Mediathek rumstöbern. Nicht einmal mehr 586 Stunden und ich bin erstmal wieder in Deutschland :)