Montag, 14. Juli 2014

An Tagen wie diesen...

Da kommt man irgendwann um fünf Uhr nachts aus dem Urlaub Heim, schläft lange aus, wäscht Wäsche und denkt sich nichts dabei und am Abend ist man plötzlich Weltmeister! Aufgrund dessen wird auch der Blogeintrag über meine Urlaubswoche erstmal zurückgesetzt, schließlich bin ich den ganzen Tag nur am Grinsen und kann an gar nichts anderes mehr denken, als an das, was unsere Nationalmannschaft da geschafft hat. Wenn auch immer ein wehleidiges Auge dabei ist, weil ich den Sieg nicht in der Heimat verbringen durfte und somit keine Feuerwerke und Autokorsos hatte. 
Das Spiel, ich den ganzen Tag schon nervös am rumzappeln gewesen, habe ich mit Kathrin in einem kleinen Freisitz am Piata Unirii verbracht, nachdem wir beide es schon mit der Angst zu tun bekommen hatten, weil es überall voll war, was bislang ziemlich unüblich für die WM-Übertragungen hier war. Letztendlich saßen wir dann aber brilliant, wenn auch ein paar zu viele Argentinienanhänger um uns herum verstreut waren. Also durfte gezittert, geschrien, geklatscht und gejubelt werden. Die Gesichter wurden unter den Händen vergraben oder die Arme in die Luft gerissen. Mit Klose sind wir am Ball vorbeigesprungen, mit Kroos wurde nach einer miserablen Kopfballrückgabe die Luft angehalten, mit Schweinsteiger haben wir uns vor Schmerz am Boden gewälzt und mit Messi haben wir voller Vergnügen den Ball in der letzten Minute der Verlängerung weit über Neuers Kasten gehauen. Ich wusste nicht, dass einem das Herz stehen bleiben und gleichzeitig so schnell schlagen kann.
Nach der Siegerehrung waren Kathrin und ich dann neben einer weiteren kleinen deutschen Gruppe noch die einzigen Gäste und so ging es dann auch schnell nach Hause bis vier Uhr nachts die Nachberichte streamen.
Da wir zur Zeit nicht in Mera, sondern in einer Schule in Cluj arbeiten und dort ein Betreuungsschlüssel herrscht, von dem man sich nichtmal zu träumen wagt, hatte ich nichts besseres zu tun, als wunderbare Weltmeisterkunstwerke zu malen. Schließlich haben die Rumänen (aufgrund fehlender Teilnahme) ein eher geringes Interesse an der WM gezeigt, was besonders in meiner frauendominierten Arbeitsstelle auffällt, wodurch ich mir mein Weltmeisterfeeling selbst schaffen muss :D
Also feiert noch schön, wenn ihr könnt, und bald gibt es dann einen ausführlichen Urlaubsbericht!

Dienstag, 1. Juli 2014

Freiwilligentreffen in Apold

Ich bin nicht mehr oft in meinem Zimmer,
ich geh langsam raus.
Verdammt, noch so ein Winter und ich schwör' ich wander aus.
Alles ist nur noch halb so beschissen, wenn die Sonne scheint.
Gleicher Ort, gleiche Zeit. (Komm doch mal wieder vorbei)
Yeah, denn wir sind wieder da
Und liegen hier im Park
Den lieben langen Tag
Kein Ziel, kein Plan
Aber fantastisches Wetter
Wir brauchen nicht viel
Nur Fanta und Pappbecher

                                                
Casper feat. Kraftklub "Ganz schön okay"
Nanu, hier geht's ja plötzlich Schlag auf Schlag. Nachdem ich gestern erst einen Beitrag gepostet habe, kommt heute gleich der nächste. Am Wochenende war nämlich ein Freiwilligentreffen in Apold. Die beiden Freiwilligen dort vor Ort, Friedi und Till, helfen bei der Restaurierung einer Kirchenburg. Und so eine kleine Festung bietet natürlich ideale Bedingungen, um eine junge Horde deutscher Freiwilliger unterzubringen. Geschlafen wurde in einem Turm, gegessen an der frischen Luft und Wasser gab es aus einem Brunnen. Wir fünf Clujer Freiwillige sind erst ziemlich spät am Donnerstagabend nach Sighisoara aufgebrochen, wodurch wir erst gegen halb eins in der Nacht in Apold angekommen sind. Am Freitag gab es dann eine kleine Schatzsuche und außerdem erlaubte das Wetter eine kurze Wasserschlacht mit dem eiskalten Brunnenwasser. Am Abend haben wir noch gegrillt und Lagerfeuer gemacht. Fertig von den ersten beiden Abenden wurde am Samstagmittag dann nach Sighisoara getrampt. Dort gab es Eis und Pizza und wir sind außerdem auf den Stundturm hoch, was ich bei meinem vorherigen Sighisoarabesuch mit Mama und Papa nicht gemacht hatte. Der Abend wurde dann feucht-fröhlich bei dem deutschen Chef von Friedi und Till mit Fußball gucken verbracht. Sonntag ging es dann wieder mit dem Bus Heim und für mich hieß es dann fertig packen, schließlich sollte am Montag ein Umzug vollzogen werden. Aus Renovierungsgründen musste nämlich meine Wohnung geräumt werden und auch Dorle ist aus ihrer vertrieben wurden, so dass wir beide Mädels jetzt mit bei den Jungs wohnen. Mal sehen, wie sich das WG-Leben wohl so gestalten wird.
Da oben haben wir geschlafen!
Nachtlager
Bei Friedi und Till Hund und Hühner füttern
Gemeinsames Fußballgucken

Montag, 30. Juni 2014

Fotos :)

If this is to end in fire
Then we should all burn together
Watch the flames climb high into the night
Calling out father, stand by and we will
Watch the flames burn auburn on the mountain side

And if we should die tonight
Then we should all die together
Raise a glass of wine for the last time
Calling out father, prepare as we will
Watch the flames burn auburn on the mountain side
Desolation comes upon the sky
                                                         - Ed Sheeran - I see fire
Ich habe ja versprochen, dass ich noch ein paar Bilder von unserer Wanderung nachreichen werde. Hier sind sie. Statt arbeiten durften wir mit Hajni und den beiden anderen Freiwilligen der Diakonia die Natur erkunden. Mit dem Bus ging es etwa 20 Minuten in Richtung Turda und dann ein paar Stunden durch die Cheile Turenilor wandern, inklusive klettern und nass werden.
Ob Heidi wohl ein Foto für die beiden hätte?

Donnerstag, 19. Juni 2014

Sommerferien

Immer unterwegs, ich bin schlaflos in Berlin,
Müde Waden zwischen Schwaden von Nikotin,
Wie ein König ohne Krone, ohne Macht,
Nur die Stempel auf dem Handgelenk, Insignien der Nacht.
Was ich brauch' ist ein Pinguin mit Übergewicht,
Der für mich das Eis bricht, denn ich kann das nicht.

Und ich hab: Kein Bock - auf Smalltalk und schlechte Witze
Kein Bock - Aber Gästeliste
Wo seht ihr euch in 100 Jahren? Noch immer ohne Zukunft und ohne Plan!
                                                                                               - Jennifer Rostock - K.B.A.G.

Es sind noch knappe anderthalb Monate für mich hier in Rumänien. Es ist wahnsinn, wie die Zeit gerade verfliegt. Wenn ich so zurück denke, dann kommt mir meine Ankunft hier im September schon so ewig weit weg vor, weil in der Zwischenzeit einfach so viel passiert ist. Und seltsamerweise kommt mir mein letzter Deutschlandbesuch im Mai auch schon wieder ewig lange her vor, weil in den letzten viereinhalb Wochen auch so unendlich viel passiert ist, ohne dass wir großartig wirklich was unternommen haben. Und die letzten paar Wochen sind auch schon extrem vollgestopft mit einem weiteren Freiwilligentreffen und unserem Urlaub, so dass auch diese im Nu verfliegen werden und ich schneller wieder in Deutschland bin, als es mir lieb ist. Wie nah meine endgültige Heimkehr mittlerweile gerückt ist, ist mir diese Woche deutlich geworden. Wir haben unser Ferienprogramm erhalten und werden diese größtenteils in einer Einrichtung in Cluj verbringen. Heute war der letzte Schultag für die Kinder und damit mein letzter richtiger Arbeitstag in Mera. Man hat diese typische Vorferienstimmung der Kinder gespürt, aber es war etwas ganz anderes, sie nicht als Schüler wahrzunehmen. Zur Feier des letzten Schultages fand in der Schule die Zeugnisausgabe statt, die in einem etwas größeren Rahmens zelebriert wurde, wodurch wir Freiwillige gemeinsam mit unseren Kollegen ihr beigewohnt haben. In der Diakonia wurde dann noch Geburtstag gefeiert und wir vier Freiwillige durften uns den Kindern noch zum Abschied durch eine PowerPointPräsentation vorstellen, bevor die Kinder dann in ihre wohlverdienten Ferien entlassen worden sind.

Nun sitze ich hier, schaue Kolumbien gegen die Elfenbeinküste und esse fleißig Kirschen. Der Sommer macht in Rumänien nämlich richtig viel Spaß, weil es überall frisches Obst und Gemüse zu kleinen Preisen zu kaufen gibt. Das hat mich besonders in der Erdbeerzeit erfreut. Was mich auch freut ist natürlich der erste deutsche Sieg gegen Portugal, den wir in einer Kneipe mit angesehen haben. Dort durften wir auch die Niederländer gegen die Spanier siegen sehen, auch wenn der Ton schneller war als das Bild und uns der Moderator so schon im Vorfeld verraten hatte, ob aus der Situation ein Tor entstehen wird oder nicht. Die anderen Spiele verfolge ich gerne in diversen Livestreams, auch wenn ich beim gestrigen Rauswurf der Spanier leider eingeschlafen bin. Dass die Spiele aber auch so spät sein müssen...

Ansonsten waren wir Diakonie-Freiwilligen vor ein paar Tagen mit unserer Koordinatorin wandern. Leider habe ich keine Fotos gemacht und die von den anderen noch nicht erhalten, aber ich hoffe, dass ich sie demnächst nachreichen kann.
Außerdem war Anna letzte Woche zu Besuch. Neben dem üblichen Besucherprogramm hier in Cluj sind wir mit ihr nach Cojocna an einen Salzsee gefahren. Mit einem Salzgehalt von 27 bzw 29 Prozent wird dann auch das Schwimmen überflüssig. Und auch wenn ich, noch müde vom Feiern am Abend zuvor, die ganze Zeit in der Sonne eingeschlafen bin, habe ich dank Sonnencreme keinen (bzw nur ein ganz klein wenig) Sonnenbrand davon getragen -  was ja dann doch ziemlich untypisch beim ersten Baden im Sommer für mich ist, ich kleines Kellerkind. Anna ist am Montag wieder abgereist und es war echt schön nochmal jemanden aus der Heimat hier gehabt zu haben :)

Sonntag, 1. Juni 2014

Versuch's mal mit Gemütlichkeit....

Und da melde ich mich mal wieder. Vor zwei Wochen bin ich nun wieder aus Deutschland zurückgekehrt und es gab jede Menge hier zu tun. In nur zwei Wochen mussten wir nämlich ein Theaterstück mit den Kindern für den Meratag einüben. Tägliche Proben, Maskenbasteln und Szenenbildermalen standen nun auf dem Plan und diese Tätigkeiten mussten neben dem normalen Arbeitsalltag bewerkstelligt werden. Die Zeit war knapp bemessen, aber am Ende konnten die Kinder dann doch alle ihren Part und so kam es gestern dann zum großen Moment des Auftritts. Neben den Eltern waren auch viele Diakonia-Mitarbeiter und Unterstützer während der Aufführung im Publikum. Gespielt und gesungen wurden Teile aus dem Dschungelbuch. Alles verlief ohne größere Patzer und so genossen wir Freiwilligen und unsere Kollegen das anschließende gemütliche Beisammensein mit leckerem ungarischen Gulasch und selbstgemachten Kürtöskalacs. Und weil wir vier Mera-Freiwillige ja schlau sind, haben wir Kathrin auch eingeladen vorbeizuschauen und so konnte sie gleich ganz viele Fotos schießen :) 
Wer mich nicht sofort erkennen sollte: Ich habe eine neue Haarfarbe. Die Tage als Blondine sind vorerst wieder vorbei. Ich wünsche euch allen eine schöne Woche! :)

Sonntag, 18. Mai 2014

As long as we're together, there's no place I'd rather be

If you gave me a chance I would take it
It's a shot in the dark but I'll make it
Know with all your heart, you can't shame me
When I am with you, there's no place I'd rather be
                                                                     - Clean Bandit (feat. Jess Glynne) "Rather be"

Dieses Lied ist das erste, das mich durch das Autoradio auf meinem Weg vom Flughafen Leipzig/Halle nach Hause begrüßt hatte. Mein Plan ist nämlich aufgegangen und die Musik aus den deutschen Radios hatte tatsächlich so einige Neulinge für mich parat. Und wie das so ist, erinnern Lieder immer so wunderschön an bestimmte Momente, Gefühle und Situationen. Wenn jetzt also "Hero" von Family of the Year läuft, dann denke ich an unsere Küche und Balkon in Leipzig mit den wenigen Sonnenstrahlen, die ich in den letzten anderthalb Wochen auf Heimaturlaub erleben durfte.
Und "Rather be" erinnert an die Vormittage, Mittage und Nachmittage in der Stadt mit misslungenen und gelungenen Shopping-Versuchen und Café-Besuchen mit meinen lieben Mädels. Es war schön, noch einmal zu Hause gewesen sein und jetzt hier, zurück in Cluj, auf der Zielgeraden angekommen zu sein und mit ganz viel rumänischer Sonne empfangen zu werden.
Ich bin also gut wieder angekommen, auch wenn es bei der Einreise ein kleines Problemchen gab, das sich hoffentlich in den nächsten Tagen und Wochen klären wird. Bürokratie ist schon was Feines.
Morgen geht es dann wieder arbeiten. Bin schon gespannt, was sich meine Kinder überlegt haben, um mich sofort wieder in den Arbeitsalltag einzuführen. Bestimmt nichts Gutes ;)

Montag, 5. Mai 2014

"Eine wie Alaska" in Bukarest

"Pummel." Sie schüttelte den Kopf, dann trank sie noch einen Schlucke Kaffee mit Schuss. "Pummel, was du noch begreifen musst, ist, dass ich ein von Grund auf unglücklicher Mensch bin."                                                                                                                                                                                       -John Green "Eine wie Alaska"

Da auch in Rumänien viel gearbeitet wird, wird auch hier der erste Mai als Feiertag zelebriert. Für Dorle, Max und mich hieß das, die Gelegenheit eines langen Wochenendes zu ergreifen und sich mit dem Fernbus auf die achteinhalb Stunden lange Reise nach Bukarest machen. Es ging direkt am Mittwochabend los und so kamen wir in der Frühe um kurz nach vier Uhr in der rumänischen Hauptstadt an. Mit zwei Millionen Einwohnern weist die Stadt zwar eine beachtliche Größe auf, dennoch fahren die U-Bahnen erst ab fünf und so mussten wir drei in einem Park neben der Metrostation noch eine knappe Stunde ausharren, ehe wir uns auf den Weg in unsere Unterkunft am anderen Ende der Stadt aufmachen konnten. Gegen halb sieben hat uns dann Caro, ebenfalls eine Freiwillige, in ihrer Wohnung aufgenommen. Da wir die Nacht über nicht wirklich viel geschlafen hatten, haben wir uns dann erst noch einmal für drei Stunden schlafen gelegt, bis es dann los ging die Stadt zu erkunden.

"Dein ganzes Leben steckst du in dem Labyrinth fest und denkst daran, wie du ihm eines Tages entfliehst, und wie geil dann alles wird, und die Vorstellung von dieser Zukunft hält dich am Laufen, aber am Ende tust du es nie. Du hast die Zukunft einfach nur benutzt, um aus der Gegenwart zu fliehen."
                                                                                            - John Green "Eine wie Alaska"

Bukarest ist vielleicht nicht eine der schönsten europäischen Hauptstädte, dennoch gibt es auch hier einen ganz eigenen Charme, der zwischen sozialistischen Wohnblöcken, weitläufigen Parklagen und einer kleinen, aber schönen und lebendigen Altstadt zu finden ist. Ich habe diesen von mir so geliebten Großstadtflair mit jedem Atemzug aufgenommen, bis er in jede meiner Körperzellen eingedrungen ist. Und das macht müde, extrem müde. Gerade, wenn man die letzte Nacht kaum ein Auge zugemacht hatte. Und so ging es für uns bei Zeiten zurück in unser Quartier, wo wir gleich noch eine kleine Führung bekamen, weil die Müdigkeit plötzlich wie weggeblasen war. Caro und ihr Mitfreiwilliger Sascha arbeiten am Rand von Bukarest in einer Einrichtung für behinderte Menschen. Das Gelände ist riesig und so gibt es dort immer was zu tun und ganz viel Platz. Während unseres Aufenthaltes waren wir daher auch nicht allein. Zur Zeit sind vierzig Schüler einer deutschen Walddorfschule mit ihren Lehrern dort untergebracht, die für einen Monat das Gelände in Ordnung bringen. Ähnlich der Sache, die ich mit unserer Schule nach den Abiturprüfungen und vor der Notenbekanntgabe gemacht habe. Und da Neuntklässer ja doch recht früh ins Bett gehören, konnten wir am Abend mit ihren Lehrern über Wein, Palinka und Zuika diskutieren. Wenn ihr wüsstet, was offenbar unter den Lehrern in ihren Lehrerzimmern so abgeht :D

Wir können die schlimmsten Dinge überstehen, denn wir sind unzerstörbar, solange wir daran glauben. Erwachsene sagen mit diesem spöttischen Lächeln: “Teenager halten sich für unbesiegbar.” Sie wissen gar nicht, wie Recht sie damit haben. Wir halten uns für uns für unbesiegbar, weil wir es sind. Wir können nicht unwiederbringlich gebrochen werden, und deshalb müssen wir nie verzweifeln. Wir können nicht erzeugt und nicht vernichtet werden. Wie alle Energie wandeln wir uns nur in Gestalt und Größe und Erscheinungsform.                                          
                                                                                           - John Green "Eine wie Alaska"

Der nächste Morgen begann nach einer weiteren kurzen Nacht wieder viel zu früh. Um acht musste der Bus, mal wieder am anderen Ende der Stadt, nach Potlogi, Dorles alter Einsatzstelle, genommen werden. In dem etwa 65 km entfernten Dorf scheinen die Glocken noch etwas anders zu läuten als in der großen Stadt. Hektik, schlechte Luft, Gedrängel und Krach sind hier vergeblich zu suchen. Stattdessen gab es Kindergeschrei, Hundegebell und Pferdehufe zu hören; Mist, gegrilltes Fleisch und Blütenduft zu riechen; das Strahlen der Sonne, Hundefell und Grasstängel auf der Haut zu fühlen. Es war interessant, das rumänische Dorfleben am anderen Ende des Landes zu erleben, unterscheidet es sich doch in gewisser Weise ziemlich von dem hier in Mera.
Am Nachmittag ging es dann zurück nach Bukarest, wo wir erst bei Josi, einer weiteren Freiwilligen in der Hauptstadt, gekocht haben, ehe es dann das örtliche Nachtleben in der Altstadt zu erkunden ging.

"Kennst du das? Manchmal, wenn du Nachts draußen bist, kriegst du Panik, auch wenn es total albern und peinlich ist, aber du willst einfach nur nach Hause rennen?" Irgendwie war mir das viel zu intim und persönlich, als dass man mit einer praktisch Fremden darüber sprechen konnte, doch ich sagte: "Ja, total." Sie schwieg einen Moment, dann packte sie meine Hand und flüsterte: "Lauf, lauf, lauf, lauf, lauf." Und sie stürzte los und riss mich mit.
                                                                                            - John Green "Eine wie Alaska"

Der Samstag sollte wieder in der Stadt verbracht werden. Nachdem am Morgen laaaaange ausgeschlafen wurde, machten wir uns schon fast gegen Mittag los, die letzten Sehenswürdigkeiten abklappern. Danach haben wir uns noch in einen der großen, schönen bukarester Parks begeben, uns die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Am Abend ging es schön Pizzaessen, danach den Abend mit den Lehrern und Skat spielen (ich kann es jetzt - so fast!) ausklingen lassen.

"Nie hatte ich mich so cool gefühlt wie jetzt, zu fünft im Gänsemarsch. Das große Vielleicht war über uns und wir waren unbesiegbar. Der Plan hatte Schwächen, wir aber nicht."
                                                                                            - John Green "Eine wie Alaska"

Am Sonntag haben wir uns dann wieder auf den Weg nach Cluj gemacht. Der Bus war voll, warm und stickig. Und Dorle hatte da dieses Buch bei sich liegen. Ungarischvokabeln wollten einfach nicht in meinem Kopf hängen bleiben, den Brief an Anna hatte ich schon fertig und Cacaus Biografie wollte ich mir für den Heimflug am Mittwoch aufheben. Und so schnappte ich mir Dorles Buch, las die erste Seite, war gefesselt und bin die ganze Busfahrt gar nicht mehr davon weggekommen. Jedenfalls bin ich jetzt verliebt. Verliebt in ein Buch, dass es vermag einen glücklich, melancholisch, nachdenklich, bestürzt, zu tiefst betroffen und zufrieden zu machen, in ein und denselben Moment.

"Manchmal verstehe ich dich nicht", sagte ich. Sie sah mich nicht einmal an. Sie lächelte einfach in Richtung Fernseher und sagte: "Du wirst mich nie verstehen. Das ist es ja."
                                                                                            - John Green "Eine wie Alaska"

Blick auf den Palast in Bukarest
Der Palast in seiner vollen Größe
Einer der vielen Parks
Der Palast von der anderen Seite und bei Nacht
Dorle und Max in der Altstadt

 Mit superschönen Sommerwetter und tollen Leuten waren die vier Tage in Bukarest echt richtig schön und "Eine wie Alaska" hat die Rückfahrt, die sonst sinnlos verbrachte Stunden gewesen wären, zu wertvoller Lebenszeit gemacht. Am Mittwoch geht es dann nach Deutschland, hoffentlich wieder mit schönem Wetter, denn das schöne Wetter ist mit dem Wochenende pünklich zum Sonntagabend hier verschwunden. Eigentlich hätte ich meine Zeit sinnvoller nutzen sollen, als diesen Blogeintrag zu schreiben, denn es gibt noch einiges zu packen und aufzuräumen. Dennoch gibt es noch ein letztes Alaskazitat für euch.

Sie sah mich an und lächelte breit, so breit, dass das Grinsen auf ihrem schmalen Gesicht vielleicht lächerlich ausgesehen hätte, wäre da nicht das unantastbar vornehme Grün ihrer Augen. Strahlend wie ein Kind unter dem Weihnachtsbaum sagte sie: "Ihr raucht zum Spaß, ich rauche, um zu sterben."
                                                                                            - John Green "Eine wie Alaska"